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Wir besuchten das Nationale Kunstmuseum Chinas – nur 15 min Fußweg vom Hotel, und unseren Reisebegleitern unbekannt. Es zeigt derzeit „Keep up with the times“ – chinesische Kunst von 1900 bis heute – nach Epochen geordnet: Klassische Tuschemalerei kurz nach 1900, erste Auseinandersetzung mit westlicher Malerei, Bilder der Kriegszeiten von 1911 bis 1947, „sozialistischer Realismus“ nach sowjetischem Vorbild.
Die nächste Etappe bringt dann den überschäumenden Mao-Kult zum Ausdruck sowie die prototypischen Bilder der Kulturrevolution. An viele von diesen konnte ich mich sofort erinnern. Alle Menschen strahlen vor Glück, von der Sonne der Maotsetung-Ideen erleuchtet zu sein.
Dann folgt ein Raum – betitelt „Traumas and Reflection“. Hier ist der realistische Stil der vorigen Epoche beibehalten und der Zweck des Bildes ist die politische Aussage. Aber das berauscht-seelige Lächeln ist einem fragenden, ernüchterten Blick gewichen. Leider gibt es nur wenige Exemplare dieser Gattung.

Dann folgt die Malerei nach der wirtschaftlichen Öffnung. So wie sie hier gezeigt wird ist sie vielfältig, interessant, aber bis auf wenige Ausnahmen nicht regimekritisch oder subversiv. Ein Titel des Time Magazine „Breaking out. China’s youth finally dare to be different“ ist in Großformat ausgestellt mit einem Bild, das als Kommentar dazu gemeint ist.
Das Museum scheint wenig auf internationale Besucher eingestellt; alle Beschriftungen sind nur auf chinesisch außer jeweils einem Motto des Raumes. Es ist trotzdem hochinteressant, und es zeigt auf, wie weit die Grenzen der Freiheit in China heute gehen, und wie weit nicht.
Wir beendeten unseren Beijing-Aufenthalt mit einem gemütlichen Ausflug zum Beihai Park, Paddelboot fahren auf dem Nordsee, und einer denkwürdigen Rikschafahrt zum Hotel, bei der der Fahrer beim Aussteigen massiv und drohend die These verfocht, der ausgehandelte Preis gelte pro Person und uns vor die Frage stellte, was passieren würde, wenn es tatsächlich zu einer Schlägerei zwischen einem Chinesen und einem Ausländer käme. Kam es aber nicht und jetzt sitzen wir schon am Flughafen und haben uns von dieser faszinierenden Stadt verabschiedet.

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