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Am Vormittag besuchten wir die deutsche Abteilung der „Beijing International Studies University„, die Fremdsprachen-Lehrer und Dolmetscher ausbildet. Wir stöberten ein wenig in der kleinen Bücherei der Abteilung, und nahmen Teil an einer Lektion der Dolmetscherausbildung. Zunächst nahmen wir Platz in einem Unterrichtsraum, zusammen mit dem ersten Jahrgang des Masterprogramms (die Studierenden hatten alle schon vier Jahre Bachelorprogramm absolviert) und unterhielten uns zwanglos eine Weile in Zweiergruppen – „meine“ Studentin kommt aus Hebei und überlegt sich, später Deutschlehrerin zu werden.
Dann erklärte die Institutsleiterin Liu Xuehui den weiteren Ablauf: Sie führte mit jedem von uns ein kurzes Interview, wobei sie die Fragen auf chinesisch stellte, und die Studenten ihre Fragen ins Deutsche und später unsere Antworten ins Chinesische übersetzen mussten.
Die Stunde war sehr lebendig, wir spielten begeistert mit, die Studenten wurden einem lehrreichen Stresstest ausgesetzt, Frau Liu erklärte zwischenrein wenn etwas falsch übersetzt war, und sie tat das mit viel Humor und großem pädagogischen Engagement. Wir waren sehr froh, dass wir auf diese Weise zum Lernerfolg beitragen konnten.

Nach dem Mittagessen besuchten wir den Himmelstempel – ich finde die Halle des Erntegebets das schönste Bauwerk überhaupt. Es strahlt in seiner vollkommenen Harmonie eine unglaubliche kontemplative Kraft aus. Vor vierzig Jahren war ich bereits dort, und damals konnten Besucher das Bauwerk noch betreten – heute wegen des Andrangs nicht mehr. Trotz der Menschenmassen hat es von dieser Kraft nichts verloren.

Den Nachmittag nahmen wir uns frei, sahen etwas abseits der von Touristen frequentierten Gucci-und-Prada Fußgängerzone durch einige Fenster und offengelassnen Türen, die äußerst karge Wohnverhältnisse verrieten. Elke kaufte noch ein kleines Teeservice und verbrachte eine Dreiviertelstunde damit, den lieben und zuvorkommenden Verkäuferinnen ohne Worte klarzumachen, dass sie im Fluggepäck keine voluminöse Schachtel mitnehmen kann, sondern separat in Luftpolsterfolie verpackte Einzelteile. Die International Studies University hat hier noch ein großes Aufgabengebiet.

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