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Das Shangrila ist das älteste noble Hotel in Hangzhou. Es wird von den chinesischen Touristen gemieden. Der Grund, auf dem es gebaut wurde, war ein Friedhof, und man erzählt sich allerlei Gespenstergeschichten rund um das Hotel. Eigentlich wollte Peter uns dort unterbringen, aber dann wurden unsere Reisepläne geändert, denn quasi im Hintergebäude unseres Zhejiang Hotels gibt es einen anderen Untoten zu sehen: Lin Biao und sein „Projekt 704“ – eine atombombensichere Bunkeranlage, darüber das Wohnhaus des Marschalls und nach Mao zweiten Mannes in China, vollendet im April 1970, ein Jahr vor seinem plötzlichen abrupten Verschwinden und In-Ungnade-fallen.
Alles kann jetzt besichtigt werden, und im Eingang des Bunkers ist ein sehr gespenstischer Souvenirladen, wo von der Mao-Plakette über das „kleine rote Buch“ bis zu einem mit Lin-Biao-Bildern verzierten Fächer alles zu haben ist, was einem eingefleischten Lin-Biao-Anhänger das Herz höher schlagen lassen mag. Junge Chinesen aus der Generation unserer Franziska scheinen diesen Namen überhaupt nicht mehr zu kennen.
Der nächste verstorbene Heroe, dem wir unsere Aufwartung machten war Yue Fei. Er war ein Feldherr, der die Vereinigung Chinas in einer Zeit der Zersplitterung im 9, Jahrhundert anstrebte und einer Palastintrige zum Opfer fiel. Mao pries diesen Vereiniger Chinas (mit Taiwan im Hinterkopf) und spendierte eine Kalligraphie für eine Gedenkhalle mit sehr maoistisch-realsozialistischen Propagandagemälden, vor der ironischerweise heute Räucherstäbchen verbrannt werden, weil Maos Lob zu einer Vergötterung dieses Helden beigetragen hat und die gläubigen Chinesen vor nichts halt machen.
Dann kamen wir zur Lei Feng Pagode und mit ihr zur weissen Schlangenfrau. Von dieser Geschichte gibt es einen netten Aufsatz von Lu Xun, den ich vor der Reise gelesen und auch mitgenommen hatte, so dass wir am Fuß dieser neuerrichteten Pagode eine kurze Lu Xun Lesung einlegen konnten. Danach fuhren wir mit dem Aufzug in die komplett neue und nur von außen alt aussehende Sightseeing-Konstruktion, aus der bestimmt alle alten Geister ausgetrieben worden sind.

Am Abend erlebten wir eine spektakuläre Show auf dem Westsee („Impression West Lake“), mit über hundert Darstellern, Tanz auf dem Wasser, perfekter Beleuchtung, Wassereffekten, mitreißender Musik. Es ging um die klassische Geschichte von einem Liebespaar, das von bösen Mächten auseinandergerissen wird. Das chinesische Publikum, das inmitten der Vorstellung gerne laut mit dem Handy telefoniert, und um sich besser verständlich zu machen, aufsteht und gegen die Musik anbrüllt, oder sich einfach nur so gut unterhält, gab der herzergreifenden Story eine ganz eigene Note.

Die Taxifahrt zurück zum Hotel kostete umgerechnet € 2.25.

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