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Um 9:00 Abfahrt nach Shijing und Besuch einer Gedenkhalle von Zheng Chenggong, auf dessen Zehen wir schon auf der Insel Gulangyu gesessen haben. Links und rechts der Straße werden Steine angeboten, gehandelt, gelagert, zur Schau gestellt. Kilometerweit ein Stein-Lieferant neben dem anderen: Riesige Quader, Platten, Kunststeine.
Die Gedenkhalle zeichnet sich durch ungewohnte Leere und Ruhe aus. Kaum chinesische Besucher, außer uns keine Ausländer. Niemand fährt nach Shijing („Steinbrunnendorf“), es sei denn um Geschäfte mit Steinen zu machen. Auch unsere Reiseleiterin Jennifer war noch nie von Ausländern um einen Besuch dieses Ortes gebeten worden.

Nach einem fulminanten Mittagessen geht es weiter zum Grab dieses Heroen in Shuitou – die Fahrt dorthin gerät zum Abenteuer, denn kurz vor Ankunft am Zielort steht unser Bus vor einem riesigen Loch: die gesamte Straße wurde weggebaggert, und auch alle Umwege führen nur zu Baugruben. Hier wird die gesamte Landschaft in einer riesigen Baustelle umgepflügt für neue Autobahnen, Wohnsiedlungen, Fabrikgelände, und schließlich wandert unsere kleine Reisegruppe zu Fuß durch den Matsch, bis wir schließlich an der ausgedehnten aber völlig verwaisten Anlage ankommen, wo Grünzeug durch die unbetretenen Platten des Weges sprießt, und Jennifer und Peter gemeinsam mit uns Blumen auf dem Grab niederlegen und uns dreimal verbeugen.

Im Reiseprogramm, das Peter für uns zusammengestellt hat, und das auf seinen Eindrücken beruht, die vielleicht zehn Jahre zurückliegen, heißt es: „Die Anfahrt erfolgt durch eine liebliche Landschaft, aber mit verlassenen Dörfern (Landflucht)“. Pustekuchen. Nichts davon. Die gesamte Strecke von Xiamen bis hier und weiter bis Quanzhou – dem heutigen Ziel unserer Reise – ist eine riesige Baustelle, wo 20-stöckige Wohnsiedlungen sich aneinanderreihen, vielspurige Autobahnen mit ihren Auffahrrampen entstehen, und emsige Geschäftigkeit herrscht.

Kurz vor Quanzhou machen wir einen dritten Besichtigungsstopp in Huabiaoshan, um einen Tempel der Manichäer zu besichtigen. Ich muss zugeben, dass mir der Begriff „manichäisch“ bislang nur in übertragenem Sinn untergekommen ist (Beispiel: „Die Fixierung Reagans auf moralische Kategorien und sein manichäisches Denken führte dazu, dass viele Entscheidungen zu dringlichen Prinzipienfragen hochstilisiert wurden“ (aus Funke, Gott Macht Amerika). Viel mehr über Denken und Wirken der Anhänger Manis weiss ich jetzt auch nicht, und der Tempel macht einen etwas sonderbaren Eindruck, aber er liegt an einem idyllischen Ort, der langsam vom Moloch der Urbanisation umzingelt wird.
Tempel der Manichäer in Huabiaoshan