Jennifer’s Wedding

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Exciting news from our Xiamen friend and tour guide Jennifer: She is going to marry.

She will have two wedding parties: On April 12 in Shenyang (her fiancé’s home). One or two weeks later in Xiamen (her own home town).
In China it is custom to make marriage photos before the wedding (we witnessed such a photo shooting session when we visited Hangzhou). Isn’t she gorgeous?
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1000 Dinge ungesagt

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Jetzt habe ich nach 40 Jahren wieder an derselben Stelle gestanden und in die Kamera gelächelt. Der alte Mao war noch da, aber sonst war alles anders.

Von einem Freund, der auch diesen Blog gelesen hat, wurde ich gefragt: „Und wie war es denn wirklich?“

Er hat mich mit der Frage in Verlegenheit gebracht. Wie soll ich das sagen?

Wirklich war die ungeheure Vielfalt an Eindrücken; das bezog sich auf jeden Moment, auf das Über-die-Strasse gehen, geräuschlosen E-Scootern ausweichen, das Guten-tag-sagen, die (fast ausschliesslich positiven, freundlichen, hilfsbereiten) Reaktionen der vielen Leute, denen wir begegneten, die vielen Dinge, über die wir uns wunderten, und von denen wir wussten, dass wir sie nicht verstehen.

Was ist denn das? Natürlich ein Lifan 320!

Eine schöne, lesenswerte persönliche Zusammenfassung seiner Erfahrung der Reise hat Kurt Weiss geschrieben mit dem Titel China-Reise_in_die_falsche_Zeit.

Viele Geschichten haben nicht Einzug in diesen Blog gefunden.
– Die manchmal aufreibende Gruppendynamik einer Reisegruppe von eingefleischten schweizer Individualisten mit beigemengten deutschen Elementen
– Ein allein quer durch China reisender Panamahut (diese Geschichte hätte auch nur Peter schreiben können)
– Begegnungen mit vielen Menschen, die – so kurz und oberflächlich sie waren – immer wieder neue Aspekte dieses Landes aufbrachten.

Und ich wurde mit meiner Vergangenheit konfrontiert. Damit, dass ich selbst vor 40 Jahren sympathisierte mit dem, was China heute mit Macht versucht, hinter sich zu lassen.


Mein alter Reiseprospekt von Shanghai 1973 zeigt, wie radikal sich die Stadt verändert hat.

Aber ich bin kein China-Experte und überlasse den Austausch allgemeiner Erkenntnisse über dieses Land gern berufeneren; von denen gibt es viele. In diesem Blog habe ich versucht, einfach nur zusammenzufassen, was ich auf unserer Reise erlebt habe, und Wertungen zu vermeiden.

Deshalb ist er mit diesem Eintrag auch abgeschlossen.

Immerhin erlaube ich mir ein Schlusswort.

China betritt Neuland. Ohne Vorbild, ohne Garantie, ohne Netz und doppelten Boden. Nicht irgendeinem Lehrbuch folgend. China ist ein Menschheitsexperiment in ganz großem Maßstab. Wenn es gelingt, wird es die Welt verändern, ohne dass wir heute sagen können wie. Wenn es misslingt, dann wird es grandios misslingen und vieles mit sich reißen. Das kann niemand hoffen.

Trauma und Reflektion

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Das Kunstmuseum in Beijing lässt mir noch keine Ruhe.
Nachdem wir einige Räume mit mehr oder weniger platten Werken des „Sozialistischen Realismus“ durchwandert hatten, in denen beglückt strahlende Menschen von der Sonne des Großen Vorsitzenden erleuchtet werden (ich kenne solche Bilder von damals zur Genüge), brach die Sequenz abrupt ab und wir fanden uns in einen Raum mit dem Motto „Traumas and Reflection„.
Hier ist das berauscht-seelige Lächeln einem fragenden, skeptischen, ernüchterten Blick gewichen. Der Stil ist meist realistisch oder – was damals aktuell war – fotorealistisch. Aber die Farben sind dunkler, und der Inhalt radikal verschieden von dem, was vorher obligatorisch war.
Leider sind von diesen Bildern nur wenige ausgestellt. Aber sie gingen mir sehr nahe. Sie bringen eine Illusionslosigkeit zum Ausdruck, die man als eine Unterströmung des heutigen China begreifen muss.

程丛林 Chéng Jungle, ‚xx. xx. 1968 Schnee‘, 1979

李斌, Bin, Sacrificing Oneself, 1980

Dies ist das einzige Bild, das in der online-Bibliothek des Museums nicht zu finden war.

油画 Wang, Bole, 1980

油画 Duoling, Spring is Awake, 1981

朱毅勇, Zhuyi Yong, Village Shop, 1984

Chinas westlich orientierte Kunst 1930-49

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Ich habe bereits von unserem Besuch im Nationalen Kunstmuseum berichtet. Neben den bekannten, stark propagandistischen Kunstwerken im Stil des „Sozialistischen Realismus“ und der Kulturrevolution werden dort auch weniger bekannte Werke ausgestellt. Eine Gruppe sind Bilder und Statuen im „westlichen Stil“, die in der Kriegszeit 1930-49 entstanden. Die Links gehen direkt auf die Webseite des Museums, wo alle Bilder dokumentiert sind.
 
 

Chinas Internet Zensur

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Bis heute habe ich über 1000 Klicks auf meinen China-Blog erhalten. Aus China war keiner darunter.

Ich habe versucht, mich im Vorfeld schlau zu machen und eine Plattform zu wählen, die auch in China verwendet werden kann. Alle unsere Hotels hatten kostenloses WLAN. WordPress konnte ich von dort manchmal (selten) in Shanghai, öfter in Hangzhou, nie in Beijing oder den anderen Orten unserer Reise aufrufen.

Im Endeffekt konnte ich als Ausländer über mein Smartphone und die Schweizerische Telefongesellschaft die Internet-Zensur aushebeln – zu einem satten Preis.

Außer, dass ich auf bestimmte Internet-Seiten nicht kam: Habe ich mich in China zensiert oder überwacht gefühlt? Nein. Internationale Nachrichtenseiten wie Tagesschau.de waren frei verfügbar. Auch die offiziellen Zeitungen haben eine erstaunliche Bandbreite an „kritischer“ Berichterstattung (die sicher ihre – unsichtbaren – Grenzen hat; aber das ist für den Besucher schwer festzumachen). Ich war erstaunt über manche offenen Worte unserer chinesischen Tour-Guides zu Themen wie Tiananmen 1989, Stadt-Land-Gefälle, usw.

Trotzdem weiß ich natürlich, dass es Zensur und Repression gibt. Und das beeinflusst sicher auch das Verhalten.

Von den drei Funktionen offener Zensur – (a) verhindern, dass Informationen ins Land dringen, (b) verhindern, dass Menschen sich frei äußern, (c) Macht demonstrieren – scheint mir (c) fast die wichtigste zu sein, gefolgt von (b).

Bye Bye Beijing

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Wir besuchten das Nationale Kunstmuseum Chinas – nur 15 min Fußweg vom Hotel, und unseren Reisebegleitern unbekannt. Es zeigt derzeit „Keep up with the times“ – chinesische Kunst von 1900 bis heute – nach Epochen geordnet: Klassische Tuschemalerei kurz nach 1900, erste Auseinandersetzung mit westlicher Malerei, Bilder der Kriegszeiten von 1911 bis 1947, „sozialistischer Realismus“ nach sowjetischem Vorbild.
Die nächste Etappe bringt dann den überschäumenden Mao-Kult zum Ausdruck sowie die prototypischen Bilder der Kulturrevolution. An viele von diesen konnte ich mich sofort erinnern. Alle Menschen strahlen vor Glück, von der Sonne der Maotsetung-Ideen erleuchtet zu sein.
Dann folgt ein Raum – betitelt „Traumas and Reflection“. Hier ist der realistische Stil der vorigen Epoche beibehalten und der Zweck des Bildes ist die politische Aussage. Aber das berauscht-seelige Lächeln ist einem fragenden, ernüchterten Blick gewichen. Leider gibt es nur wenige Exemplare dieser Gattung.

Dann folgt die Malerei nach der wirtschaftlichen Öffnung. So wie sie hier gezeigt wird ist sie vielfältig, interessant, aber bis auf wenige Ausnahmen nicht regimekritisch oder subversiv. Ein Titel des Time Magazine „Breaking out. China’s youth finally dare to be different“ ist in Großformat ausgestellt mit einem Bild, das als Kommentar dazu gemeint ist.
Das Museum scheint wenig auf internationale Besucher eingestellt; alle Beschriftungen sind nur auf chinesisch außer jeweils einem Motto des Raumes. Es ist trotzdem hochinteressant, und es zeigt auf, wie weit die Grenzen der Freiheit in China heute gehen, und wie weit nicht.
Wir beendeten unseren Beijing-Aufenthalt mit einem gemütlichen Ausflug zum Beihai Park, Paddelboot fahren auf dem Nordsee, und einer denkwürdigen Rikschafahrt zum Hotel, bei der der Fahrer beim Aussteigen massiv und drohend die These verfocht, der ausgehandelte Preis gelte pro Person und uns vor die Frage stellte, was passieren würde, wenn es tatsächlich zu einer Schlägerei zwischen einem Chinesen und einem Ausländer käme. Kam es aber nicht und jetzt sitzen wir schon am Flughafen und haben uns von dieser faszinierenden Stadt verabschiedet.

Wir wurden interviewt

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Am Vormittag besuchten wir die deutsche Abteilung der „Beijing International Studies University„, die Fremdsprachen-Lehrer und Dolmetscher ausbildet. Wir stöberten ein wenig in der kleinen Bücherei der Abteilung, und nahmen Teil an einer Lektion der Dolmetscherausbildung. Zunächst nahmen wir Platz in einem Unterrichtsraum, zusammen mit dem ersten Jahrgang des Masterprogramms (die Studierenden hatten alle schon vier Jahre Bachelorprogramm absolviert) und unterhielten uns zwanglos eine Weile in Zweiergruppen – „meine“ Studentin kommt aus Hebei und überlegt sich, später Deutschlehrerin zu werden.
Dann erklärte die Institutsleiterin Liu Xuehui den weiteren Ablauf: Sie führte mit jedem von uns ein kurzes Interview, wobei sie die Fragen auf chinesisch stellte, und die Studenten ihre Fragen ins Deutsche und später unsere Antworten ins Chinesische übersetzen mussten.
Die Stunde war sehr lebendig, wir spielten begeistert mit, die Studenten wurden einem lehrreichen Stresstest ausgesetzt, Frau Liu erklärte zwischenrein wenn etwas falsch übersetzt war, und sie tat das mit viel Humor und großem pädagogischen Engagement. Wir waren sehr froh, dass wir auf diese Weise zum Lernerfolg beitragen konnten.

Nach dem Mittagessen besuchten wir den Himmelstempel – ich finde die Halle des Erntegebets das schönste Bauwerk überhaupt. Es strahlt in seiner vollkommenen Harmonie eine unglaubliche kontemplative Kraft aus. Vor vierzig Jahren war ich bereits dort, und damals konnten Besucher das Bauwerk noch betreten – heute wegen des Andrangs nicht mehr. Trotz der Menschenmassen hat es von dieser Kraft nichts verloren.

Den Nachmittag nahmen wir uns frei, sahen etwas abseits der von Touristen frequentierten Gucci-und-Prada Fußgängerzone durch einige Fenster und offengelassnen Türen, die äußerst karge Wohnverhältnisse verrieten. Elke kaufte noch ein kleines Teeservice und verbrachte eine Dreiviertelstunde damit, den lieben und zuvorkommenden Verkäuferinnen ohne Worte klarzumachen, dass sie im Fluggepäck keine voluminöse Schachtel mitnehmen kann, sondern separat in Luftpolsterfolie verpackte Einzelteile. Die International Studies University hat hier noch ein großes Aufgabengebiet.

Die Grosse Mauer ganz für uns

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Bei strahlendem Sonnenschein und tiefblauem Himmel machten wir einen Ausflug zur Großen Mauer bei Jīnshānlǐng. 2 1/2 Stunden Busfahrt, 30 Minuten Fußmarsch, dann bestiegen wir als einzige Reisegruppe weit und breit das monumentale, der Landschaft Dramatik verleihende Bauwerk. Einige Einheimische begleiteten uns während unserer ganzen zweistündigen Tour, lächelten, versuchten uns beim Treppensteigen behilflich zu sein und wollten uns doch nur ihre T-Shirts und Reiseführer verkaufen. Da wir die einzigen Touristen in Sichtweite waren, ruhte ihre vergebene Aufmerksamkeit ganz auf uns. Sie haben an diesem Vormittag wenig Umsatz gemacht.
Trotzdem konnten wir das Bauwerk und die umgebende Natur in vollen Zügen genießen und waren bereits um 17:00 Uhr zurück im Hotel.

Am Nachmittag besuchten wir in kleiner Gruppe nochmal den riesigen Tiān’ānmén Platz und schauten uns die Säule der Volkshelden und das Mao-Mausoleum an (von außen; Öffnungszeiten sind von 8-12 Uhr). Von außen lässt sich nicht viel über das Gebäude sagen außer dass es groß und viereckig ist. Beide – Säule und Mausoleum – sind abgesperrt und von strammstehenden Operettensoldaten bewacht; Vorrichtungen für die Abfertigung einer riesigen Schlange von Besuchswilligen sind bereitgestellt; ob sie vonnöten sind, konnten wir jetzt nicht beurteilen.

Auf dem Weg vom Hotel kauften wir in einem netten abseits gelegenen Teeladen mit drei charmanten jungen Verkäuferinnen ein Teeservice und Magi zeichnete eine hübsche Kaligraphie mit Bild von und für Elke auf speziellem Zeichenpapier, das in dem Laden bereitlag.
Nachdem wir uns von Mao verabschiedet hatten, schlenderten wir durch die quirlige Einkaufszone um die Qian Men Straße und landeten – vielleicht um einen Kontrapunkt zum gerade erlebten zu setzen – erst mal bei Starbucks.

Blauer Himmel über Beijing

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Um 9:00 spazieren wir bei strahlendem Sonnenschein und tief blauem Himmel vom Hotel zum Tiān’ānmén Platz. Hier habe ich mich vor 40 Jahren ablichten lassen. Der Fotograf hatte ein Stativ und ein schwarzes Tuch über die Kamera gehängt und der Platz war weitgehend menschenleer.
Heute tummeln sich zigtausende hier, vom Straßenverkehr ganz zu schweigen. Jeder Zweite trägt ein Smartphone oder Tablet und knipst – nicht zuletzt uns. (Eine Familie, mit der wir knipsenderweise ein paar Worte wechseln, kommt aus der Inneren Mongolei.) Nur der große Vorsitzende lächelt unverändert (weil alle paar Jahre neu übermalt) von der roten Wand.

Es folgt ein Gang durch den Kaiserpalast. Ich habe eine dünne Hochglanzbroschüre bei mir von meinem damaligen Besuch: „The Former Imperial Palaces“ mit Abbildungen der wichtigsten Anlagen und zeitbedingten Formulierungen wie: „The grandeur and magnificence of the structure fully demonstrate the wisdom, talent and highly accomplished building technique of China’s ancient labouring people.

 
In der Tat, die Gebäude haben sich seitdem kaum verändert. Und doch ist alles ganz anders. Das chinesische Volk hat sich die Verbotene Stadt erobert. Zugegeben, auf dem Platz vor dem Tiananmen steht eine dreiköpfige Truppe Wache und wir sehen ihnen bei der Wachablösung zu. Aber das hat nichts einschüchterndes, selbst der Stechschritt wirkt wie folkloristisches Ballett, nicht wie militaristischer Übereifer. Unser Tourguide macht sogar ein paar Bemerkungen zu den Tiān’ānmén Ereignissen von 1989; dass er dabei gewesen sei, und dass die wirkliche Zahl von Toten von der Regierung nicht veröffentlicht werde.

Im Kaiserpalast wieder das Gedränge der chinesischen Schaulustigen, die lebendig, laut, respektlos neugierig mit den alten Gebäuden umgehen. Und natürlich die Eindrücklichkeit der riesigen Anlage, die trotz ihrer großen Ausdehnung viel mehr Harmonie und wohlproportionierter Erhabenheit ausstrahlt als das die Wolkenkratzercity von Pudong je tun wird.

Der Gott des Wetters meint es wirklich gut mit uns. Nach einem sehr guten Mittagessen im Separee erklimmen wir den Kohlenhügel nördlich des Kaiserpalasts, sehen über ganz Beijing bs zu den Bergen am Horizont. Es gibt auch fast keinen Smog. War der einschlägige Wert gestern noch bei 180, so fiel er bis heute um 11:00 Uhr auf 38 und stieg bis 17:00 auf 61. Zur Orientierung: bis 50 gilt als „good“, bis 100 als „moderate“, bis 150 als „unhealthy for sensitive groups“, bis 200 als „unhealthy“, bis 300 als „very unhealthy“, darüber als „hazardous“.